Nahaufnahme eines horizontalen Webstuhls mit dichten Fäden in rot, blau und gelb

Die Geschichte des Teppichs

Die Geschichte des Teppichs nimmt ihren Anfang vor Jahrtausenden von Jahren. Was sich wie der Anfang eines spannenden Märchens anhört, ist in Wirklichkeit der Beginn einer Geschichte von Kultur, Machteinfluss, Deutungshoheiten und gesellschaftlichem Wandel. Alles vereint in einem großen oder kleinen, breiten oder schmalen Stück eines bunten Stoffes auf dem Boden vieler Haushalte.

Die ersten Teppiche

Wetterbedingungen, Insektenfraß und Lagerung machen es bis heute nicht möglich eine exakte Datierung der ersten Teppiche vorzunehmen. Dennoch kann man annehmen, dass der gesamte Nahe, Mittlere und Ferne Osten eine wichtige Rolle in der Herstellung gespielt hat. Das betroffene Gebiet ist über 3500 km lang und 1800 km breit und reicht von Albanien bis nach China.

Die Teppichforschung und die ihr verschriebenen Historiker-Kreise munkeln, dass die ersten Teppiche im Raum Zentralasiens hergestellt wurden. Der Fund antiker Teppiche im Jahre 1949 durch ein Archäologen-Team im Altaigebirge in der nördlichen Mongolei erlaubt einen Blick auf die Entwicklung der Knüpfkunst, der Formen, Materialien und Farben der letzten 2500 Jahre.

Historiker und Historikerinnen sind sich einig, dass Nomadenvölker eine wichtige Rolle bei der Entwicklung der Web- und Knüpfkunst sowie dem Design des Teppichs gespielt haben. Sie waren es, die eine transportable und leichte Lösung suchten, die ihnen Schutz und Wärme vor spärlicher Vegetation und unbeständigem Klima bieten sollte.

Mobilität zog sich wie ein roter Faden durch das Leben der Nomaden und Semi-Nomaden. Die Universalität des Teppichs als Gebrauchsgegenstand stand daher an oberster Stelle. Neben einer farblichen Belebung des temporären Zuhauses, wurde der Teppich auch für folgende Zwecke verwendet:

Tischdecke/
Schlafdecke/
Satteltasche/
Beutel/
Wandteppich/
Raumtrenner/

Aufzeichnungen belegen, dass der Bodenteppich meist an letzter Stelle der möglichen Verwendungen stand. Diese Gebrauchsweisen wurden von dem entstehenden bäuerlichen Milieu weitergeführt.

Dabei ist nicht zu vergessen, dass der Knüpfteppich bereits in der Antike als Luxusprodukt galt und durch reiche Viehzüchter erworben wurde. Wertvolle Teppiche wurden vor allem zu Repräsentationszwecken genutzt. Den erschwinglicheren „Alltagsteppich“ konnten sich mehr Leute leisten.

Die Teppichkunst zeichnete sich schon früh durch eine ungeheure Bandbreite an geometrischen und stilisierten Motiven aus. Sie erzählte Geschichten aus dem Lebens- und Erfahrungsbereich, der Mythologie und Religion.

Die Entstehung der
Knüpftechnik

Wertvolle Teppichfunde, wie der geknüpfte Pazyryk-Teppich im Jahre 1949 durch Archäologen im mongolischen Altaigebirge, gewähren immer wieder Einblicke in eine bereits Jahrtausende vor unserer Zeitrechnung florierenden Teppichknüpfkultur. Die Entwicklung der Teppichknüpfkunst kann daher unter anderem im zentralasiatischen Raum verortet werden.

Der gewebte Teppich, ein Flachgewebe, bildet die Vorstufe zu seinem geknüpften Pendant. Nomadenstämme zählten zu einem der ältesten Milieus, die eine rege Web- und Knüpftradition über Jahrtausende hinweg pflegten und mündlich an nachkommende Generationen weitergaben. Geknüpfte Teppiche waren und sind im Gegensatz zu ihrem gewebten Gegenüber um einiges komplizierter und zeitaufwändiger in ihrer Machart. Dennoch waren geknüpfte Teppiche wesentlich stabiler und strapazierfähiger als gewebte Teppiche. Unzählige kleinere Schritte waren für die Herstellung des Teppich und damit der akribische Auseinandersetzung mit dem Fach der Knüpftechnik notwendig:

  • Züchtung von geeigneten Schafen

  • Scheren der Schafe

  • Spinnen und Färben der Wolle (mit natürlichen Farben)

  • Entwicklung des Knüpfstuhls

  • Technik des Knüpfens

  • Kontinuierliche Weiterentwicklung des Fachs über Generationen hinweg

Diverse historische Ereignisse, begünstigten eine rasche Verbreitung der Knüpfkunst in den Mittelmeerraum bis in die Türkei. Leider lässt sich nicht mehr zeitlich feststellen, wann der Schritt vom eingewirkten zum eingeknüpften Faden getan wurde. Drei soziale Milieus verstanden sich im Laufe der Zeit als treibende Kraft der Teppichknüpfkunst:

NOMADEN/
BÄUERLICHE WELT/
HÖFISCHE ZIVILISATION/

Herstellung der ersten
Teppiche

Wie bereits erwähnt, war die nomadische Daseinsform ausschlaggebend. Der dynamische Alltag der Nomadenvölker ließ keine komplizierten und fragilen Stoffe und Gefüge zu. Die Herstellung musste einfach und robust sein. Nomaden verwendeten die Materialien, die ihnen zur Verfügung standen: die Wolle von Ziegen und Schafen. Die geschorene Schafs- und Ziegenwolle wurde nass gemacht und immer wieder zusammengedrückt. Die hierzu verwendeten einfachen und vor allem liegenden Webstühle waren transportierbar. Zwei auf dem Boden befestigte Holzbalken, spannten eine Kette aus Wolle auf. Das Ziehen von Wollfäden durch das Gewebe verfolgte das Ziel ein stärkeres und dichteres Gefüge zu schaffen, das weich und kälteabweisend agierte. Ein Art Filzteppich war das Ergebnis. Vertikale Webstühle sollten sich noch auf der ganzen Welt verbreiten. Wie allerdings der „Funke“ von einem Stamm auf den anderen überging, kann nicht mehr genau nachverfolgt werden.

DESIGN

Die Nomadenvölker verstanden sich in der Herstellung einzigartiger Designs, Farbkombinationen und Muster. Geometrische und „Allover“ Muster dominierten die Tätigkeit der Frauen und Männer die sich dem Handwerk verschrieben hatten. Komplizierte florale oder vegetabile Muster hatten da keinen Platz. Dieses Wissen wurde von Generation zu Generation weitergegeben, ohne jemals Zeichnungen zu verfassen. Damals wusste man um die Wahrung eines familiären Geheimnisses.

Geschichte des
Orientteppichs

Die hohe Anerkennung der Teppichknüpfkunst als Kunsthandwerk sowie diverse wirtschaftliche und politische Einflüsse von Seiten der Herrscherhäuser ermöglichten ein gesteigertes Bewusstsein für die Teppichkunst und ihr Potential per se.

Das im 3. Jahrhundert vor Christus herrschende Partherreich (auch: Arkasidenreich) wirkte sich auf die unmittelbare Verwendung des Teppichs aus und machte diesen unter der sesshaften Bevölkerung hof- und gesellschaftsfähig. Daher galt der Teppich bereits im darauffolgenden Sassaniden-Reich als gesellschaftliches Statussymbol.

Im 13. Jahrhundert berichteten Händler aus aller Welt, etwa Marco Polo, über orientalische Teppichknüpfzentren und betrieben einen wahrhaft lebendigen Export. Es entwickelte sich eine hochspezialisierte Industrie fernab des einfachen Hausgebrauchs. Die Teppichkunst lebte von den unterschiedlichsten kulturellen Design- und Materialeinflüssen und spiegelte dadurch Zeitgeist und Geschmack wider.

Das 14. Jahrhundert ist als Startpunkt der internationalen Orientteppichindustrie zu betrachten. Herrschende Eliten als Teil imperialer Großreiche forcierten durch eine erhöhte Nachfrage und einer Förderung der Knüpfkunst eine epochale Veränderung des Kunsthandwerks. Dennoch waren bis in das 15. Jahrhundert Nomaden und das bäuerliche Milieu die ausschlaggebenden Rahmenbedingungen für die Knüpfkunst und deren Verortung.

Die Safawiden-Dynastie im 16. Jahrhundert erhob das Teppichknüpfen vom Gebrauchshandwerk zum Kunsthandwerk und läutete dadurch die Herstellung moderner Orientteppiche in diversen großen Zentren Persiens ein. Die Einrichtung von Hofmanufakturen, die aktive Förderung des Kunsthandwerks sowie des Handels mit Europa, ließen die bäuerliche und nomadische Knüpfkultur in den Hintergrund treten.

Höfische Prunkteppiche entsprangen der Kreativität eigens dafür eingesetzter Künstler, die großes Ansehen genossen. Primär waren sie engagiert, die Macht der Herrschenden bzw. die Macht des Reiches illustrativ umzusetzen und sinnbildlich zu manifestieren. Besonders Schah Abbas setzte sich für die kontinuierliche Förderung des Teppichknüpfens als Kunsthandwerk ein – das Resultat waren gleichmäßig geknüpfte florale und arabeske Motive aus Seide, durchzogen von feinsten Gold- und Silberfäden. Diese prächtigen Designs wurden aufgrund ihres Detailreichtums zuerst grafisch vorgezeichnet und dann nachgeknüpft.  Das Hauptmotiv – meist ein zentrales Medaillon – trat tonangebend hervor und wurde in den Ecken des Teppichs andeutend weitergeführt. Die Größe der verfeinerten Teppiche faszinierte ebenso wie die Darstellung detailreicher Szenarien. Die Nachfrage dieser Teppich sollte noch den Handel zwischen Europa und Persien dominieren.

Im Unterschied zu den Nomadenarbeiten, bei denen Kette, Schuss und Flor aus Wolle bestanden, fokussierte man sich im Rahmen höfischer Manufakturen auf Materialien wie Seide und Baumwolle.

Für Qualität, Haptik wie Optik sind die für den Flor verwendeten Materialien Seide, Schafwolle und Ziegenhaar ausschlaggebend. Orientteppiche können einen dicken Flor haben oder dünn gewebt worden sein. Von der Größe eines Papiertaschentuchs bis hin zu 1.000 Quadratmetern feinster Handarbeit ist alles dabei. Der persische Senneh- und der türkische Ghirodes-Knoten dominieren in der Teppichknüpfkunst.

Ein Orienteppich trägt den Namen einer geografischen Region, einer Provinz oder von Städten (z.B. Täbriz, Ghoum, Teheran etc.) und gibt Auskunft über seine Provenienz.

Der klassische Perserteppich mit seinen all so bekannten Mustern entwickelte sich im 18. Jahrhundert. Wirtschaftliche Rezensionen ließen den Teppichmarkt im 19. Jahrhundert stark einbrechen. Erst das 20. Jahrhundert brachte wieder Kopien der klassischen Perserteppiche hervor.

Geschichte des
europäischen Teppichs

Die Geschichte des Teppichhandels  aus europäischer Perspektive. Während das Parther- und Sassanidenreich  den Teppich im 3. Jahrhundert hof- und gesellschaftsfähig machten, hatte Alexander der Große die ersten Teppiche im Gepäck auf dem Weg nach Europa. Ein Mitbringsel von seinen persischen Eroberungen und Feldzügen. Reisende und Händler der folgenden Jahrhunderte, darunter Marco Polo machten es ihm gleich.

Bereits im 8. und 9. Jahrhundert entstanden im Spannungsfeld verschiedenster Kulturen in Spanien erste europäische Teppichzentren. England und Frankreich zogen nach. In der Frühen Neuzeit begann England überwiegend Teppiche im orientalischen Stil zu produzieren. Kein Wunder, denn die Knüpfer stammten mehrheitlich aus dem nah- und mittelöstlichen Raum und wussten um die Beliebtheit der anatolischen und persischen Muster und Farbspiele. Tier-, Blumen- und Baummotive dominierten die künstlerische Landschaft der europäischen Teppiche.

Ab dem 14. Jahrhundert galt der Teppich, entgegen seiner Verbreitung im europäischen Raum, noch immer als Kuriosität, als Besonderheit.

Epochale Veränderung

Im 15. und 16. Jahrhundert kam es zu einer epochalen Veränderung in der Teppichknüpfkunst. Die Teppichkunst die bis dato einem funktionalen Credo gefolgt war, erfuhr eine Umdeutung. Auf den unterschiedlichsten Wegen gelangten Teppiche nach Europa und fanden sich in Gemälden der Renaissance wieder. Kunstvolle Boden- und Wandteppiche galten als Schmuckstücke, als Zeichen von Wohlstand und Kulturverständnis in Häusern der herrschenden Elite.

Der barocke Geschmack des polnischen Hofes fand Gefallen an den prunkvollen Teppichen der persischen Hofmanufakturen und beeinflusste deren orientalischen Stil maßgeblich durch das Hinzufügen europäischer Motive – der Polonaise Teppich war geboren.

Gemälde europäischer Maler wie Hans Holbein, Lorenzo Lotto und Domenico Ghirlandaio führten den Teppich als Bildbeiwerk. Bis heute dienen Abbildungen von Teppichen in Gemälden nebst Inventarlisten und Handelsregister, als wichtigste Quelle der Kategorisierung und Datierung von Orientteppichen.

Im 17. Jahrhundert kam es durch diverse Handelsstraßen zu einer abermaligen Aufwertung und Wertschätzung importierter Perserteppiche. Herrscher wie Ludwig XIV gaben zahlreiche Teppiche in Auftrag. Knüpfmethoden und Symbole wurden stark vom kolonialen Überseehandel geprägt.

Ab dem 18. Jahrhundert werden Teppiche vermehrt als Bodenteppiche verwendet, dennoch dauerte es ein weiteres Jahrhundert, bis der Teppich wortwörtlich am Boden der Tatsachen angekommen war.

Der Teppichmarkt wurde über die Jahrhunderte immer wieder von wirtschaftlichen und geopolitischen Krisen heimgesucht, welche Produktion und Handel auf ganzer Linie beeinflussten. Nichtsdestotrotz erholte sich dieser immer wieder und erfuhr vor allem im 19. Jahrhundert einen erneuten Aufschwung.

WERTSTEIGERUNG DES TEPPICHS

Die Weltausstellungen 1851 und 1873 in London und Wien trugen sichtbar zum Zirkulieren verschiedenster Teppicharten bei und vertieften seine Beliebtheit und Bekanntheit auf dem europäischen Markt. Es wurde „zur Mode“, einen Teppich zu besitzen. Persien wurde zum Hauptlieferanten für große Teppiche. Der Import von Orientteppichen durch die gesellschaftliche Oberschicht hatte eine hohe Nachfrage sowie eine Wertsteigerung zur Folge. Europäische Importeure richteten sich dementsprechend ein und forcierten nach und nach eine für die Mittelklasse erschwingliche Teppichproduktion. Europäische und amerikanische Designeinflüsse machten sich langsam bemerkbar. Unternehmen, wie Ziegler und Designer wie William Morris, richteten sich nach dem präferierten Format und Design in Europa und spielten wichtige Rollen beim Vorantreiben des europäischen Teppichmarkts.

Das aufsteigende Bürgertum von London bis Wien, von Paris bis St. Petersburg lechzte nach der floralen Pracht der Perserteppiche. Eine distinktive Stilistik und Typik der Perserteppiche bestimmte bis in die 1980er Jahre die Produktion in den Herstellungsländern und die Nachfrage in Europa.

NACHKNÜPFLÄNDER

Die Globalisierung machte auch vor der Teppichproduktion keinen Halt. Länder wie Albanien, Rumänien, Bulgarien, Tunesien, China und viele mehr mischten am Markt mit. Florale Muster die man bis dato aus Täbriz oder Isfahan kannte, stammten nun von dort. Diese sogenannten „Nachknüpfländer“ teilten sich das Bespielen der Märkte und sind mal mehr, mal weniger von Belang auf dem globalen Markt der Herstellungsländer.

Die Teppichwelt befindet sich in einem stetigen Designfluss. Lässt sich durch die Vergangenheit und Gegenwart beeinflussen und ernährt sich von den multikulturellen Entwicklungen einer globalisierten Welt.

Die UNESCO sprach sich 2010 gegenüber einigen Knüpftraditionen aus und erhob diese zum immateriellen Kulturerbe der Menschheit.

Antike Teppiche als
Kunstwerke

Teppichfunde geben einen Einblick in die faszinierende Welt der antiken Teppichknüpfkunst als einer der ältesten Handwerke des Menschen. Das Wort „antik“ kann im Fall von jüngeren Teppichen nicht so einfach verwendet werden. Obwohl Künstler und Künstlerinnen immer häufiger auf Designs dieses Kalibers zurückgreifen, muss der Teppich dennoch bereits über 100 Jahre alt sein, um als „antik“ zu gelten. Teppichfunde geben einen Einblick in die faszinierende Welt der Teppichknüpfkunst als einer der ältesten Handwerkskünste des Menschen.

Höfische Künstlerkreise orientierten sich oftmals an den sie umgebenden herrschaftlichen Bauten und verewigten Mosaike und Muster auf frühen Orientteppichen. Dadurch lassen sich Rückschlüsse auf Entwürfe und Farben ziehen, obwohl antike Teppiche selbst oftmals durch Witterung und Lagerung ruiniert wurden.

Pazyryk-Teppich

Die Entdeckung des Pazyryk-Teppichs im Jahre 1949 durch ein Archäologenpaar eröffnete der Teppichforschung neue Welten. Komplexe Knüpfstrukturen geben Aufschluss über die bereits im 5. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung mehrere Generationen zurückliegende Entwicklung von Materialien, Farbphilosophien und Design. Der Pazyryk-Teppich zeigt eine prunkvolle Bordüre, versehen mit Abbildungen von Hirschen und Reitern sowie einem Rosettenmotiv. Mit 360.000 Knoten pro Quadratmeter wies der Teppich sogar mehr Knoten als viele der heute geknüpften Teppiche auf. Die Kombination aus dem Farbenspiel von Rot, Blau, Gelbgrün und Orange macht den Teppich zu einem traditionsreichen Stück Geschichte. Er kann in der Eremitage in
St. Petersburg bewundert werden.

ARDEBIL-TEPPICH

Eine exakte Datierung ist bei einem weiteren berühmten Teppich möglich. Dem Ardebil-Teppich aus dem Jahre 1539, der sich seit 1893 im V&A Museum in London befindet. Bis heute gilt der Teppich als einer der kostbarsten Exemplare altpersischer Teppichknüpfkunst. Eine Inschrift auf dem Teppich verrät den Namen des Meisters Maksud Kaschani, der wahrscheinlich im Auftrag eines Herrscherhauses über mehrere Jahre an dem Teppich gearbeitet hatte.

Besucher-Tipp:

Museen verschrieben sich der Aufbewahrung und Pflege noch erhaltener Beispiele der „Hochblüte der Teppichkunst“ aus dem 16. Jahrhundert. Das Museum für angewandte Kunst in Wien wartet mit einer der größten Sammlungen Europas auf. Mag. Ali Rahimi befindet sich als Kunstfreund im Vorstand des imposanten Museums.

Architekt und Designer Hans Hollein schuf mit dem Bau des Museums für Glas und Keramik in Teheran ein weiteres Gebäude, das unbedingt einmal besucht werden sollte. Bei Rahimi & Rahimi können seine Teppichdesigns bewundert werden.

Teppichproduktion heute

Trotz aller Zeitströmungen und aller Wandlungen scheint es, als sei der Teppich immer wieder auf den Tag und die Gegenwart abgestimmt. Der Teppichmarkt ist daher auch stetig im Wandel – sei es bezüglich der verwendeten Materialien, der Farbkombinationen oder der Designs. Produktions- und marktbestimmend sind vor allem der Modemarkt und der Einrichtungssektor. Sie fungieren als mitbestimmender Faktor in der Wahl der Farben und Designs. Das Design antiker Teppiche erfährt in modernen und Designerteppichen eine Rückkehr und Neuauflage. Moderne Teppichdesigner wie Jan Kath nehmen traditionelle Elemente in ihren zeitgenössischen Entwürfen auf und verarbeiten diese zukunftsweisend.

Fast 90% der Weltproduktion aller handgeknüpften Teppiche werden in folgenden Ländern hergestellt:

IRAN/
ASERBAIDSCHAN/
AGHANISTAN/
PAKISTAN/
INDIEN/
NEPAL/
TÜRKEI/
CHINA/

Deren außerordentliche Qualität lässt sich an den verwendeten Zeichnungen, Materialien und Farben festmachen. Neue Farbenspiele und Entwürfe werden in binnen weniger Monate geknüpft.

Maschinell gefertigte Teppiche

In den 1970er Jahren fand der maschinell gefertigte Teppich Einzug, dennoch meinen viele, dass dieser bis heute daran gescheitert sei, die Kunst des Teppichknüpfens vollends wiederzugeben. Das Aufkommen des maschinell gefertigten Teppichs im europäischen Raum hatte zur Folge, dass es vor allem im 20. Jahrhundert schwierig war, tatsächliche „Prachtstücke“ zu erwerben.

Alles über die heutige Herstellung von qualitativ hochwertigen Teppichen, haben wir für Sie in einem gesonderten Artikel zusammengefasst.

DESIGNER TEPPICHE

Besonders die vergangenen Jahre lassen eine Innovationswelle und neugefundene Wertschätzung für den Teppich verspüren. Modedesigner verlassen ihr Feld und schaffen es, die Ästhetik des Alltags sowie der Haute Couture zu einem lebendigen Design im Teppich verschmelzen zu lassen.

Es wird spannend bleiben. Besonders das 21. Jahrhundert hat interessante innovative  Impulse in der Teppichwelt gesetzt, die uns sicherlich noch einige Jahrzehnte begleiten werden. Designer wie Jan Kath orientieren sich an antiken und klassischen Teppichmustern und versucht ein Gedankenexperiment – der traditionelle Teppich gezeichnet von Transformation und Erosion, auferstanden im Zeitalter des Designs. Seine Kollektion “Polonaise” versinnbildlicht den Drang des Designers die Teppichwelt neu zu definieren.

Der Teppich ist – verglichen zu seinen Anfängen – längst nicht mehr nur Bodenbedeckung oder Wandschmuck, er ist Basis des „freundlichen Wohnens“. Sein Platz im Raum vermittelt Wärme, Designbewusstsein und reflektiert eine gemütliche  Atmosphäre.